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Unterschiedlichste Programme, Angebote und Institutionen sorgen heute für soziale Integration oder wenigstens für die kurz- bis langfristige Stabilisierung von Menschen mit Suchtproblemen. Dabei spielen die Gesundheit, die Hygiene, die Selbstkompetenz und Autonomie eine zentrale Rolle. Kaum angepackt aber werden die Schuldenberge, die die betroffene Klientel mit sich schleppt. Für dieses Leben B gibt es keinen sozialen Filter. Barendjan van Harskamp, Geschäftsleiter der Wege Weierbühl, bringt das Tabu im eiogenen Betrieb und öffentlich aufs Tapet.
Barendjan van Harskamp ist seit 25 Jahren als Sozialarbeiter und Sozialpädagoge im Geschäft. Er kennt die Spirale, in der Menschen mit Suchtproblemen nach unten gezogen werden. Er schätzt die aktuellen Versuche der sozialen Institutionen und Behörden, diesen Abwärtstrieb zu stoppen: «Das sind alles nötige und erfolgreiche Behandlungen und Betreuungen, mit der wir zu stabilisieren versuchen: die Gesundheit, die Tagesstruktur, die Beschäftigung, die Hygiene, die Ernährung, ja sogar die tiefern Ursachen der Sucht.» Er macht aber auch das zum Thema, was immer noch übrig bleibt: der Berg an Schulden, die Mahnungen und Betreibungen im Briefkasten. «All diese Verfahren laufen separat zur sozialen Stabilisierung weiter.»
Amtlich belegt
Das hat auch eine aktuelle Langzeitstudie des Kantons in Zusammenarbeit mit dem Institut für Suchtforschung bestätigt. Der heutige Geschäftsleiter der Wege Weierbühl hat dort als therapeutischer Mitarbeiter von Contact Netz mitgewirkt: «Es war eine grossangelegte Nachbefragung von Klientel der stationären Therapieeinrichtungen des Kanton Bern ein Jahr nach Austritt aus der stationären Therapie. Damit sollte die Wirksamkeit der verschiedenen Interventionsprogramme und Begleitungen gemessen werden. Das Resultat ist besonders in einem Bereich höchst bemerkenswert, hat aber bis heute noch zu keinen Reaktionen und Diskussionen geführt: Ob die Leute nun in der stationären Therapie sind, in einem Beschäftigungsprogramm, im Entzug, in ambulanter medizinischer Begleitung oder Wohnbetreuung in einer WG oder in der eigenen Wohnung: der Schuldenberg bleibt oder wird immer höher.»
Betreibungen statt Liebesbriefe
Das gilt auch für die meisten Bewohnerinnen und Bewohner der Wege Weierbühl in Köniz: «90 Prozent der Post, die in die Wege zu den Bewohnern kommt, sind Betreibungsandrohungen, eingeschriebene Briefe, Schuldscheine, Verfügungen. Unsere Leute bekommen keine Liebesbriefe.» Barendjan van Harskamp sieht darin einen Auftrag an sich selbst und sein Team, also an Institutionen, die betreutes Wohnen anbieten – und letztlich natürlich auch an die zuständigen Behörden: «Ein solides Wohnen unserer Leute in einer eigenen Wohnung ist mit einem Rucksack voll Schulden nicht möglich.»
Ein letztes Tabu
Barendjan van Harskamp will mit der Stiftung für soziale Innovation baldmöglichst über einen Fonds zur Schuldensanierung als Pilotprojekt diskutieren, aus dem dann solche Aktivitäten bezahlt werden können. «Es geht nicht darum, die Schulden der Leute zu beschönigen- So schwierig das Thema und dessen Finanzierung auch anzugehen ist. Es ist Teil der professionellen Betreuung und Stabilisierung. Viel andere Tabus ist man in den letzten Jahren im Suchtbereich konsequent und erfolgreich angegangen, aber die Schuldenberge nicht.»
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